Vollprothesen
Sind in einem Kiefer alle Zähne verloren gegangen, so bleibt, lässt man die Implantologie einmal außer Acht, als einzige Lösung nur noch eine Totalprothese. Diese findet ihren Halt am Kiefer, indem sie sich durch Unterdruck an der Schleimhaut festsaugt. Günstigstenfalls können manchmal Knochenvorsprünge zusätzlichen Halt geben. Um diesen Halt zu erreichen wird der Prothesenrand mit Hilfe eines Funktionsabdruckes besonders angepasst und gestaltet, so dass nach Möglichkeit an keiner Stelle Luft zwischen Prothese und Prothesenlager (Mundschleimhaut mit dem darunter liegenden Kieferknochen) geraten kann. Obwohl man vermuten sollte, dass es wegen der Schwerkraft schwieriger ist, einer Oberkieferprothese ausreichenden Halt zu geben, ist das Gegenteil der Fall. Das ist durch die kleinere Auflagefläche und die enorme Beweglichkeit der Zunge bedingt. Vor einigen Jahrzehnten versuchte man im Oberkiefer durch einen Saugnapf besseren Halt zu finden. Das führte auf Dauer aber zu unverantwortlichen Deformationen des harten Gaumens - bis hin zur Perforation des Gaumendachs zum Nasenboden hin. Ganz abgesehen davon war auch der Saugeffekt meistens sehr gering. Im Unterkiefer setzte man eher darauf, mit Hilfe von eingearbeiteten Magneten einen besseren Halt zu erzielen. Doch auch hier wurde kein hinlänglicher Erfolg erzielt. Aus Stabilitätsgründen wird die Gaumenplatte einer Totalen Prothese manchmal aus einer gegossenen Metallplatte (siehe oben) hergestellt. Vorteil: die Platte kann dünner gestaltet werden. Nachteil: Metall ist wasserabstoßend (speichelabstoßend) - mit dem Resultat einer schlechteren Saugkraft.
Eine Sonderform einer (Totalen) Prothese ist die Immediatprothese (Sofortprothese). Um es dem Patienten zu ersparen, auch nur vorübergehend (gänzlich) zahnlos zu sein, wird hierbei schon im Vorhinein eine Prothese vorbereitet, die dann unmittelbar nach der Extraktion der Restzähne eingegliedert wird und nach der Ausheilung erneuert oder zumindest unterfüttert (unterlegt) wird. Ein willkommener Nebeneffekt hierbei ist, dass die Prothese gleichzeitig als Verbandplatte dient.